Das Testament auf dem Butterbrotpapier

Wird das vermeintliche Testament nicht auf einer üblichen Schreibunterlage, sondern auf einem Stück Papier oder einem zusammengefalteten Pergamentpapier niedergeschrieben, ist hierin kein ernsthafter Testierwille zu sehen.

So entschied das Oberlandesgericht Hamm am 27.11.2015 (erschienen am 05.01.2016; AZ: 10 W 153/15). In dem ausgeurteilten Fall legten die Enkel der 102 jährigen Erblasserin zwei Schriftstücke vor. Eines von beiden war ein ca. 8×10 cm großer, per Hand ausgeschnittener Zettel mit handschriftlicher Aufschrift. Bei dem anderen handelte es sich um ein mehrfach gefaltetes Stück Pergamentpapier, auf dem sich die gleichen Worte in leicht abgewandelter Anordnung fanden. Die Enkel vertraten die Auffassung, dass es sich bei diesen Schriftstücken um Testamente handelte, aufgrund derer sie Miterben geworden seien.

Das OLG Hamm hingegen vertrat die Auffassung, dass aus diesen Schriftstücken gerade nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, dass es sich hier um letztwillige Verfügungen der Erblasserin handelt. Ein Indiz dafür war der Umstand, dass, obwohl die Erblasserin der deutschen Sprache in Schrift und Grammatik hinreichend mächtig gewesen ist, die Überschrift gravierende Schreibefehler enthielt und im Text ein vollständiger Satz fehlte. Des Weiteren spreche die Errichtung zweier inhaltlich nahezu identischer Schriftstücke innerhalb eines Jahres vielmehr dafür, dass es sich lediglich um schriftlich dokumentierte Vorüberlegungen oder Entwürfe handele. Letztlich lasse der Umstand, dass diese beiden Schriftstücke in einer Schatulle zwischen diversen wichtigen und unwichtigen Unterlagen aufgefunden worden seien darauf schließen, dass kein ernsthafter Testierwille der Erblasserin vorlag. Vielmehr könnte die Erblasserin die Schriftstücke nicht bewusst aufbewahrt, sondern lediglich vergessen haben.

Diese Entscheidung des Oberlandesgerichtes Hamm zeigt deutlich, wie wichtig es ist, die Vermögensnachfolge rechtzeitig zu Planen und somit vor allem die Erben vor bösen Überraschungen zu schützen. Sollten Sie weitere Fragen zu Nachfolgeregelungen haben, sprechen Sie uns an. Gemeinsam mit Ihnen geben wir Ihnen und Ihren Angehörigen die Sicherheit, dass alles geregelt ist.

Quelle: OLG Hamm, Pressemitteilung v. 5.1.2016